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Stabo

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Allgemeines

Die Firma Stabo in Hildesheim stellt schon seit Jahrzehnten Funkgeräte her und hatte früher auch ferngesteuerte Modellautos im Programm. Außerdem bot man damals sowohl Konstruktionsbaukästen als auch Experimentierkästen an. Folgende Sachgebiete wurden abgedeckt:

  • Konstruktion (Stabo-Modellbau-Spiel)
  • Physik
  • Elektrotechnik
  • Motorentechnik
  • Elektronik
  • Fernmeldetechnik
  • Funktechnik

Die Entstehung der beiden letztgenannten Experimentierreihen lag angesichts der Ausrichtung dieses Unternehmens nahe. Die am besten dokumentierten und heute bekanntesten Baukästen der Stabo-Reihe sind wohl die Funk-Stabo-Kästen. Es gab lediglich einen Grundkasten und zwei Ergänzungskästen. Auf ein Nebeneinander zwischen kleinem Grundkasten, mittelgroßem Grundkasten, großem Grundkasten und umfangreichem Experimentierlabor, wie sie andere Firmen in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts anboten, hat der damals noch unter GETA Hans Kolbe & Co. firmierende Hersteller also verzichtet.

Allerdings wurde die Trennung zwischen Grundkasten und Ergänzungskasten nicht konsequent vollzogen. Man kann Versuchsaufbauten aus dem Elektro-Stabo in Experimente mit dem Funk-Stabo 1 einbeziehen; außerdem lässt sich mit den beiden Ergänzungskästen auch dann experimentieren, wenn einer der vorangegangenen Kästen nicht zur Verfügung steht. Das ist keineswegs nur im Ebay-Zeitalter von Interesse. Herbert G. Mende (beratender Ingenieur, Autor der Anleitungsbücher zu Elektro-Stabo und Funk-Stabo) hatte diese Möglichkeit ganz bewusst vorgesehen, damit das Experimentieren mit neuen Schaltungen nicht zwangsläufig den Abbau des zuletzt aufgebauten Geräts erfordert. (An die Möglichkeit, dass man sich eines Tages eine Experimentierausrüstung via Online-Gebrauchtbörse zusammenstellen kann und dass man ausgerechnet den Grundkasten erst mit langer Verspätung zu fassen bekommt, dachte damals natürlich noch niemand.)

Der Elektro-Stabo und die Funk-Stabo-Kästen kamen zwischen 1963 und 1965 auf den Markt; offenbar wurde die Produktion noch im gleichen Jahrzehnt wieder eingestellt. Anscheinend wurden von jedem der Anleitungsbücher genug Exemplare gedruckt, um alle Kästen mit einem Anleitungsbuch aus der ersten Auflage zu bestücken. Jedenfalls habe ich bislang immer nur Kästen gesehen, deren Anleitungsbuch der ersten Auflage entstammte und deren Teilebestückung keinerlei Abweichungen zur im Buch genannten ursprünglichen Ausrüstung darstellte. Lediglich in wenigen Fällen sind hier Änderungen kosmetischer Natur zu beobachten. Bei den Verbindungselementen wurden im Laufe der Jahre verschiedene Metallsorten durchprobiert.

Frühe Exemplare (allenfalls vor Erscheinen des Funk-Stabo 2) wurden in einem Karton ausgeliefert, der mit einer Zeichnung auf weißem Grund versehen war. Die späteren Kartonagen waren dank anderer Falttechnik und anderer Kartonqualität etwas größer und hatten einen gelben Rand. Den meisten Platz auf dem Deckel nahm nun ein Foto ein.

Während andere Hersteller z. T. noch Niedervoltröhren einsetzten, kamen bei Stabo ausschließlich Germanium-PNP-Transistoren zum Einsatz. Mehr über die verwendeten Bauteile hier:

stabo-Bauteile

Die Verbindungstechnik

Während die meisten Elektronikkästen mit Drahtabschnitten arbeiten, ist die Verbindungstechnik der Stabo-Kästen sowohl mit dem guten alten Metallbaukasten als auch mit der modernen Leiterplatte verwandt. Man verlegt nämlich ober- oder unterhalb der Montageplatte metallene Lochstreifen. Alle elektronischen Bauelemente sind auf Grundplättchen oder in Gehäusen montiert. An ihrer Unterseite ragen Gewindestangen mit M3-Gewinde heraus, deren oberer Teil als recht massive Lötfahne anzusehen ist: etwas breiter und flacher als das Gewinde und obendrein geschlitzt. In diesen Schlitz ist dann der Anschlussdraht des Bauteils eingelötet. Die im oberen Teil größere Breite der Gewindestangen verhindert, dass diese nach unten durchrutschen, so dass lediglich auf der Unterseite des Grundplättchens Sechskantmuttern aufgeschraubt sind, die ein Durchrutschen nach oben verhindern.

Dasselbe Gewinde haben die den Kästen beiliegenden Schrauben, Sechskantmuttern und Halsmuttern. Halsmuttern zeichnen sich durch ihre mit bloßen Händen gut handhabbare Größe aus, denn die hier verwendeten M3-Typen sind rund 8 mm hoch, haben einen 7 mm breiten sechskantigen Teil und verjüngen sich zum anderen Ende (Hals genannt) hin.

Man setzt die Teile von oben auf die Montageplatte und führt die Gewindestangen durch die Lochstreifen hindurch. Von unten schraubt man dann die Halsmuttern mit dem Hals nach oben auf. Soll eine Leitung abgeknickt werden, so setzt man 2 Lochstreifen im rechten Winkel übereinander. Passiert dies an einer Stelle, an der kein Bauteil sitzt, so muss von oben eine Schraube eingesetzt werden.

Ein Schaltpult gibt es nicht; alle Drehkondensatoren und Potis werden dort eingebaut, wo sie gerade gebraucht werden. Jedes Platinchen bzw. Gehäuse enthält übrigens nur ein einziges Bauteil. Das geht so weit, dass man sogar eine Abstimmkupplung beigelegt hat, um bei Bedarf die beiden nebeneinander (!) montierten Drehkondensatoren zu einem Doppel-Drehkondensator zusammenzufassen. Auch der zweipolige Drehschalter wird aus zwei Einzelschaltern und einem Kupplungselement zusammengesetzt. Hier wird der Begriff "diskrete Schaltungstechnik" also ganz wörtlich genommen, und der Experimentator kann regelrecht mit dem Schaltbild auf Tuchfühlung gehen. Gerade in der Aufsteigerphase von "Kinderschaltungen" hin zu ernsthafteren und komplexeren Anwendungen dürfte dies dem Verständnis der Schaltungen förderlich sein.

Ein diagonaler Leitungsverlauf ist nicht möglich. Schaltbildnahe Verdrahtungen können sich deshalb oft als unpraktisch erweisen; man muss die Schaltung unter Umständen mehrfach optimieren, bis sie auf die Montageplatte passt. Und das, obwohl der Platz auf der Montageplatte nicht gerade üppig bemessen ist. Der größte Empfänger erstreckt sich über 3 Montageplatten, die insgesamt 10 x 21 Löcher aufweisen; bei Philips stehen 14 x 21 Löcher zur Verfügung, der "Abstellplatz" für die Batterien und die Platzeinsparung durch die Auslagerung einiger Bauteile ins Schaltpult noch nicht mitgerechnet.

Der Entwurf eigener Schaltungen stellt also fraglos eine Herausforderung dar. Diese hat aber durchaus Bezug zur Praxis, denn in der Industrie war es lange nach dem Verschwinden der Stabo-Reihe noch gang und gäbe, dass ein Entwickler ein Platinenlayout von Hand optimiert, weil die von der Marketingabteilung vorgegebene Platinengröße auf Anhieb stets eine Nummer zu klein für die Schaltung ist.

Experimente

Jeder Experimentierkasten enthält ein eigenes Handbuch. Alle darin aufgeführten Experimente können mit den bereits vorhandenen Kästen ausgeführt werden. Es ist also nicht so, dass man für den letzten Versuch des einen Sachgebiets noch einen nachfolgenden Kasten braucht, für den ersten Versuch des nächsten Kapitels jedoch nicht.

Das Haupteinsatzgebiet der Stabo-Kästen ist natürlich der Radioempfang. Es werden nur amplitudenmodulierte Wellen in den Frequenzbändern zwischen 525 und 6.200 kHz verarbeitet. Der UKW- und Fernsehempfang wird hier ebensowenig abgehandelt wie der stereofonische Nf-Teil, die stereofonische Demodulation und die Pseudostereo-Erzeugung. Einen Amateurband-Konverter gibt es auch nicht; ohnehin würde ein damit aufgebauter Doppelsuper (selbstgebauter Konverter + handelsübliches Radio) das Selbstbaukonzept verwässern, wenn man nicht gerade mehrere vollständige Kästen doppelt besitzt. An Empfangsschaltungen wurde zudem das Pendelaudion übergangen. Man mag das bedauern, doch letztlich ist dies eine weise Beschränkung, wenn man die fundierte Aufarbeitung der AM-Technik und den völligen Verzicht auf die Bündelung von Bauelementen zu Modulen bedenkt. Immerhin müssen auf dem begrenzten Platz der 3 Anleitungsbücher noch 2 grundverschiedene Transistor-Super abgehandelt werden. Zudem sind noch etliche Experimente aus den Bereichen Messtechnik, Elektroakustik und Fernmeldetechnik vorgesehen.

Was die Stromversorgung betrifft: Obwohl die Flachbatterie noch 10 Jahre später sehr gern für Spielzeug und Lehrspielzeug verwendet wurde, kam sie in den Stabo-Kästen nicht zum Einsatz. Als Stromquelle war ein 9-Volt-Block vorgesehen, der den Vorteil unverwechselbarer Anschlüsse hat, was bei der Verwendung von Transistoren und Elkos einen gewissen Schutz vor Zerstörung der Bauteile darstellt. Alternativ diente der Styroporeinsatz des Funk-Stabo 3 als Batteriefach für 6 Babyzellen, was natürlich eine ziemlich improvisierte und unhandliche Lösung darstellt, da der nicht eben kleine Karton (größer als DIN A 3) in der Nähe des Versuchsaufbaus stehen muss. (Der Elektro-Stabo arbeitet mit 3 Monozellen, deren Halterungen auf der Montageplatte Platz finden.)

Schaltungsbeispiele und Verzeichnis der Experimente


zur Didaktik

Über weite Teile der "Teststrecke" hat Herbert G. Mende in dieser Beziehung ganze Arbeit geleistet. Leider wird die Trennung zwischen Grundkasten und Ergänzungskasten auch in puncto Didaktik nicht eindeutig vollzogen. Die Anleitungsbücher zu den Funk-Stabo-Kästen folgen der schon beim Elektro-Stabo praktizierten Kapitelnummerierung mit Buchstaben und setzen die dort begonnene Buchstabenreihe fort. Auch vom Kenntnisstand her wendet sich das Buch zum Funk-Stabo 1 eher an Besitzer eines Elektro-Stabo als an frischgebackene Experimentatoren, für die sich Grundkästen sonst gemeinhin eignen. Man sollte also nicht blind nach dem Grundsatz "Vorkenntnisse? Wieso, ist doch ein Grundkasten!" handeln und ohne Erfahrung mit weiteren Experimentierkästen gleich den Einstieg in die Funktechnik wagen. Diese Empfehlung hat auch der Hersteller mancherorts (Elektro-Stabo-Buch) gegeben; in welchem Umfang dies geschah, ist jedoch nicht bekannt. So wird es wohl auch Benutzer gegeben haben, die mit diesem System eine (vermeidbare) Enttäuschung erlebt haben. Ob das der Grund für das frühe Verschwinden der Stabo-Reihe war?

Ist der Einstieg erst einmal geschafft, dann geht es relativ einfach weiter. Ganz im Gegensatz zu mach konkurrierendem System wird das Fachwissen zum Thema Radioelektronik in kleinen Schritten vermittelt. So gehen dem Benutzer nach und nach alle vorkommenden Baugruppen in Fleisch und Blut über. Trotz oder gerade wegen der vergleichsweise guten Verständlichkeit der Anleitungsbücher wird einem hier also ein sehr fundiertes Wissen vermittelt, und man lernt an Theorie fast alles, was es überhaupt zu dem jeweiligen Empfänger zu sagen gibt. Wer nun immer noch nicht genug hat, findet über das ganze Buch verstreut weitergehende theoretische Ergänzugen unter der Überschrift "Wer es genau wissen will:". Diese Abschnitte in handliche Portionen zu unterteilen erscheint mir ebenfalls als geschickter Schachzug. Es erleichtert die Entscheidung, sich die mitunter wenigen Zeilen nun doch noch zu Gemüte zu führen.

Von dieser einzigen Einschränkung abgesehen, lässt sich mit den Kästen also sehr gut arbeiten. Der Lehrstoff ist auch recht locker angeordnet. Am Anfang des Buches stehen entweder Grundlagen oder, im Falle des Funk-Stabo 2, Experimente ohne Zuhilfenahme der anderen Stabo-Kästen auf dem Programm.

Es folgen Experimente zum Rundfunkempfang. Etwa in der Mitte der Radioversuche folgt ggf. ein Einheitsverstärker für den Gebrauch mit verschiedenen Empfangsteilen, ein Zwischenfrequenz-Prüfsignal-Generator und/oder - so beim Funk-Stabo 3 - eigene Kapitel mit Radios, die sich auch dann aufbauen lassen, wenn von den zwei ersten Kästen gerade nur einer zur Verfügung steht. Ja, es sollte Besitzern aller drei Kästen (sowie einer vierten Grundplatte aus dem Elektro-Stabo oder aus einem nur unvollständig erhaltenen Kasten) sogar möglich sein, ein Audion mit Wellenbereichswähler und eins mit Sprache-Musik-Schalter parallel aufzubauen.

Den Abschluss bilden Experimente aus den Bereichen Elektroakustik, Messtechnik und Fernmeldetechnik. So bringt jeder der drei Funk-Stabo-Kästen einen eigenen Tongenerator, der sich als Station einer Fernmeldeanlage, als Regenmelder oder sogar als elektronische Orgel mit recht schrägen Intervallen benutzen lässt. Neben verschiedenen Verstärkerschaltungen gibt es auch einen Mikrofon-Vorverstärker und eine Wechselsprechanlage.

Die Experimentierkästen im einzelnen