Einfacher Gegentaktverstärker

Moderator: suntri

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pingi66
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Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo ins Forum,

viele NF-Verstärker bei Philips-Schaltungen haben den Nachteil, dass, auch wenn kein Ton aus dem Lautsprecher kommt, dennoch viel Energie aus der Batterie gezogen wird, weil dauerhaft ein Gleichstrom durch den Lautsprecher fließt. Das ist gerade für den Batteriebetrieb sehr ärgerlich.

Auf der Suche im Netz bin ich auf die (Elektroniker-) Seite unseres Mitglieds TKRoth gestoßen. Dort hat er den Schaltplan eines einfachen Gegentaktverstärkers vorgestellt, den ich gleich ausprobieren musste.

Der Verstärker lässt sich ohne Probleme mit den Philips-Bauteilen aufbauen und er versorgt den 150 Ohm Lautsprecher mit ausreichend Leistung.

Und natürlich ist es auch immer sehr interessant, die Eigenschaften mit LT-Spice zu simulieren. Zum Vergleich habe ich mal die einfache Verstärkerschaltung genommen, wie sie z. B. in den Radioversuchen (5.03) genutzt wird.

Die linke Seite zeigt den typischen Philips-Verstärker, die rechte Seite den Gegentaktverstärker. Zu dem ursprünglichen Schaltungsvorschlag von Thomas sind zwei Veränderungen vorgenommen:

- R3 geht nicht direkt gegen Batterie Plus sondern wird über den Lautsprecher versorgt. Das ergibt (jedenfalls nach LT-Spice...) weniger Verzerrungen.

- C4 mit 220 pF ist hinzugefügt worden, um die hohen Frequenzen zu begrenzen und Schwingneigungen zu unterdrücken.

Frequenzgang.JPG

Wie man gut erkennen kann, nehmen sich die Frequenzverläufe nichts. Allerdings benötigt der Gegentaktverstärker rund 8 dB weniger Pegel am Eingang, um auf denselben Pegel am Lautsprecher zu kommen.

Was sich zusätzlich positiv auswirkt (jedenfalls nach LT-Spice...), sind die geringeren Verzerrungen. Im folgenden Bild sind dazu die FFTen einer 1 kHz Schwingung am Lautsprecher dargestellt. Links wieder die Philips-Schaltung, rechts der Gegetaktverstärker.

Klirrfaktor.JPG

Der Philips-Verstärker kommt auf -36 dB, was einem Klirrfaktor von 1,6 % entspricht. Mit -48 dB aber liefert der Gegentaktverstärker einen Hifi-verdächtigen Klirrfaktor von 0,4 %. Ob man das aber wirklich gehörtechnisch unterscheiden kann, mag gern diskutiert werden.

Sicherlich wahrnehmbar, weil einfach messbar, aber ist der große Unterschied in der Stromaufnahme. Hier benötigt der Gegentaktverstärker mit rund 6 mA gute 20 mA weniger als der Philips-Verstärker, der dauerhaft 26 mA aus der Batterie zieht.

Mein Fazit sieht daher sehr positiv aus:

- Mehr Leistung

- Weniger Verzerrungen

- Weniger Strombedarf

Klar ist das mit deutlich mehr Bauteilen verbunden, aber man kann ja nicht alles haben. :roll:


Grüße
Sven
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Lutz
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von Lutz »

Moin Sven!

Nach der alten Regel: "Es gibt nichts, was man nicht noch verbessern könnte..."

Und natürlich war Philips damals schon auf Umsatz bedacht, hihi. Auch wenn man nicht unbedingt Philips-Batterien nehmen muss.

Viele Grüße...
73, DL4OBG
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jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Diese Verbesserung werde ich gerne in die kommenden Wochen einbauen in meine letzte Aktualisierung von die 5.03 Reflex weil ich dessens exorbitante Stromverbrauch leider bestätigen muss ... . Und so viele extra Bauteile sind es auch nicht, vielleicht wird diese Variant dann die bevorzugte Transistor-Variant in meine Schaltungen für ein standard 100 Ohm Lautsprecher.

Sven, zwei Fragen an dir habe ich dan noch:
  • Im Vergleich zu den Push-Pull version 1.05 hatte ich auch in 1.05 ein 125uF Kondensator in serie mit der Lautsprecher erwartet (wie anwesend in deine / TKRoth's Schaltung sowohl in die EE2003 Push-Pull Verstärker 1.03), aber diese gibt es dort nicht. Vielleicht ein Fehler von Philips hier?
  • Die geänderte Kopplung der Basis von der oberste transistor (T3 in deine Schaltung) via R3 zu den Lautsprecher: Hier ist R3 = 1K angegeben. Das scheint mich ganz (zu) niedrig (im Hinblick auf der Stromverbrauch), aber kannst du deizen Wert bestätigen?
Danke!
/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo Jurjen,

der hohe Stromverbrauch der standardmäßigen Verstärkerschaltungen bei Philips ist gerade für Batteriebetrieb sehr ärgerlich. Und genau deswegen benutze ich jetzt ausschließlich diesen einfachen Gegentaktverstärker. Hier nochmal die Endstufe, wie ich sie in dem KW-Reflex-Empfänger einsetze:

KW_Reflex_Rueckkopplung.JPG

R3 ist hier auf 1,5k erhöht, was den Stromverbrauch nochmals senkt. Laut LT-Spice fließen dann so um die 2,5 mA durch R3, das sollten die Batterien schaffen. Also ja, den Wert kann ich bestätigen.

Aus Gründen der Einfachheit, habe ich auch die beiden 10 Ohm Emitterwiderstände weggelassen. Das erhöht allerdings auch wieder die Stromaufnahme. Da muss man einfach etwas experimentieren.

Bei der Verstärkerschaltung 1.05 wird kein 125 µF Elko benötigt, weil der Lautsprecher auf die halbe Beitriebsspannung, also zwischen die beiden 4,5 V Batterien, gelegt wird. Somit liegt der Lautsprecher praktisch gleichspannungsfrei, und es fließt durch ihn kein Ruhestrom. Einen Kondensator benötigt man, wenn man den Lautsprecher gegen Battrie Plus oder Batterie Minus legt. Das habe ich auch in einigen Entwürfen so gemacht, weil dann zum Ein- und Ausschalten der Schalter vom Poti ausreicht. Sonst ist immer das umständliche Verdrahten des Umschalters notwendig.

Viele Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Danke für diese Erklärungen, dan haben wir hier ein sehr optimalisierte (10 Ohm) und praktische Variant!
/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Hallo,

Ich weiß, es ist noch immer Sommer (und hoffe immer auf einzige schöne Tage), aber es fühlt schon an wie im Herbst, also das grosse Dunkel kommt bald und damit gibt es wieder Genehmigung für neue Philips-EE Projekte ... .

Ich bin gerade sehr begeistert von die praktische Vorteile der Gegentaktverstärker (alle Vorteile wie von Sven hier schon genannt kann ich aus meiner Praxis völlig bestätigen). Um aber das einzige Nachteil dieser Schaltung zu überwinden, nämlich der grosse Platzanspruch (fast ein Viertel der Schaltungslayout!), habe ich mich jetzt entschlossen eine einfache (und relativ einfach Selbst gefertigte) Platine (3x3) zu entwickeln:

Platine-design.png

Diese Platine soll:
  • In der Stelle der übliche BC238 Lautsprecherstufe passen, ohne das andere Teil der Schaltung-Layout negativ zu beeinflussen (also: der soll dort passen aber auch kein grosses "Leer" hinterlassen),
  • In alle EE2000 und auch EE2001 Schaltungen als Ersatz von die Lautsprecherstufe dienen können, ohne Beschränkungen,
  • Alle übliche Impedanzen einer Lautsprecher unterstützen (150, 15 und 8 Ohm) - also kein bedarf mehr an eine Audiotrafo,
  • Optisch nah an die weiße BC238 Originalplatine sein (es passt hier doch keine kleine 2x2 Platine weil jetzt drei transistoren und verschiedene andere Komponente enthalten werden),
  • Einfach durch jeder von standard "Stripboard" herzustellen sein.
Mit den Aufdruck "AB" ist eine Class AB Verstärker, also eine optimierte Gegentaktstufe ("Push-Pull") gemeint, siehe hier: link

Mehr Details fund Fertigungshinweise folgen selbstverständlich später noch!

Grüsse,

Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Ein erster Eindruck:

Foto_pushpullboard.jpg

Muss noch getestet werden, aber scheint schon ganz gut gelungen.
Sven, danke für die Anreiz :P
Mehr info folgt ...
/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo Jurjen,
jurjen hat geschrieben: 14.09.2024, 08:20 ... aber scheint schon ganz gut gelungen.
Du untertreibst, ich finde, dass das sehr gut gelungen ist. Auch dass der Druck nicht einfach ganz weiß sondern leicht marmoriert ist, halte ich für ein feines Detail.

Eine Frage habe ich noch: "Hast Du als Basismaterial eine Platine mit Lochstreifen benutzt?" Würde Deinen Entwurf nämlich auch mal nachbauen wollen.

Und natürlich freue ich mich schon darauf, Deine Platine im Einsatz zu sehen.

Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Hallo Sven,

Hier folgen die wichtigsten info's (und später alles und mehr auf meine Website):

Die Oberseite der Platine: Platzierung der Komponente (siehe auch das Foto von der gefertigte Platine):

Stripboard-componentside.png

Die Unterseite: Positionen der Löcher:

Stripboard-copperside.png

Und dann noch die Schaltung und die Vor- und Hinterseite der gefertigte Platine (bitte achte wie ich mit kleinen Drahten die vier Kontaktoberfläche gemacht habe):

PushPull-boardcircuit.JPG
Foto_pushpullboard.jpg
Foto_pushpullboard_backside.jpg

Die marmorierte Drück habe ich hier an die Platinen-ppt zugefügt, siehe hier

Wie die vier Hauptlocher gemacht sind:

BareStripBoard.jpg

/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Eine kleine Korrektur des Schaltbilds ... der PNP transistor var falsch orientiert:
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von FlynnTheAvatar »

Ich finde die Platine mit deinem Gegentaktverstärker extrem gelungen. Ich bin ein Fan der neueren Philips ABCD-Sets mit dem TBA820 als Verstärker, aber es reizt mich schon, das nachzubauen.

Ich habe nur eine Frage zu deiner Schaltung. Warum nimmst du zum Biasen der Dioden den Ausgang/Lautsprecher anstelle der Betriebsspannung?

Viele Grüße,
Josef
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von miniTesla »

Jurjen, mit welcher Software zeichnest du die Schaltbilder? Ganz allgemein, was verwendet ihr um Schaltungen zu zeichnen? Ich bin noch ganz alte Schule mit Bleistift und Papier will aber jetzt doch umsteigen und frage mich welche Software ich verwenden soll.
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pingi66
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo Josef,

Deine Frage ging zwar an Jurjen, aber vielleicht kann ich Dir ja auch mit einer Antwort dienen.

Im Netz gibt es beide Versionen im Angebot, ohne dass erklärt wird warum. Im praktischen Vergleich ist der Verstärker mit der Versorgung über den Lautsprecher einfach lauter. Das habe ich an meinem Lego-Radio gerade ausprobiert. Und auch die Simulation mit LT-Spice kann diese subjektive Wahrnehmung bestätigen:

Vergleich.JPG

Die grüne Kurve zeigt den Verlauf des Verstärkers mit der Versorgung über den Lautsprecher, die rote Kurve den mit der Versorgung direkt an der Betriebsspannung. Hier kommen immerhin 9 dB zusammen...

Viele Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Danke Sven für das Antworten!
Und dabei hast du in dein erster Beitrag auch nog dieses geschrieben:
"- R3 geht nicht direkt gegen Batterie Plus sondern wird über den Lautsprecher versorgt. Das ergibt (jedenfalls nach LT-Spice...) weniger Verzerrungen."

/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo Jurjen,
jurjen hat geschrieben: 28.09.2024, 22:42 R3 geht nicht direkt gegen Batterie Plus sondern wird über den Lautsprecher versorgt. Das ergibt (jedenfalls nach LT-Spice...) weniger Verzerrungen.
vielen Dank für den Hinweis. Allerdings war bei meiner ersten Simulation der von Dir hinzugefügte 100 Ohm Widerstand am Emitter des Steuertransistors nicht dabei. Ist dieser Widerstand bestückt, sind die Ergebnisse in Bezug auf Verzerrungen sehr ähnlich. Und ob man diesen Unterschied bezüglich der Verzerrungen tatsächlich wahrnehmen kann, möchte ich bezweifeln. Der Unterschied in der Lautstärke ist aber sehr deutlich zu hören. Deswegen möchte ich mich doch lieber auf die Ergebnisse realer Versuche verlassen als auf LT-Spice :shock:

Viel Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von FlynnTheAvatar »

Vielen Dank für die Antworten. Und Entschuldigung, die Erklärung mit R3 an den Lautsprecher für weniger Verzerrungen habe ich leider überlesen.

Was ich mir noch überlegt habe, wäre R3 an Versorgungsspannung und den 100µF Kondensator von der Platine runter zunehmen. Dann könnte man theoretisch den Lautsprecher gegen Versorgungsspannung oder Masse betreiben.
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von Lutz »

FlynnTheAvatar hat geschrieben: 29.09.2024, 16:35
...wäre R3 an Versorgungsspannung und den 100µF Kondensator von der Platine runter zunehmen. Dann könnte man theoretisch den Lautsprecher gegen Versorgungsspannung oder Masse betreiben.
Moin!
Ähm, nein! Das hat Philips zwar auch mal vorgestellt, aber dann gegen die (korrekte) Anzapfung der halben Betriebsspannung!

Was mir einfällt, den Emitterwiderstand 100 Ohm könnte man probehalber mit einem Elko parallel betreiben, dann bleibt der Ruhestrom klein(er), die NF aber "wacher".

Die Kopplung von LS zusammen mit dem 1k5 könnte eine Art nicht ganz phasenkorrekter Mitkopplung sein. Theoretisch liegt sie durch die 90° Phasenverschiebung aber genau zwischen Gegen- und Mitkopplung.
R6 C2 sind ja echte Gegenkopplung, mit der man z.b. den Frequenzgang auch beeinflussen kann.

Weitere Idee an Pingi und Jurjen: Variation von R3 zwischen 1 und 10k etwa, was sich da in der Simulationen tut bzw in der Realität.

Und für alle Nicht-Puristen: ich halte diese kleinen building-blocks für absolut legitim, dann hat man zuverlässige Einheiten, die sehr universiell einsetzbar sind.

Gruß, Lutz
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

miniTesla hat geschrieben: 28.09.2024, 16:00 Jurjen, mit welcher Software zeichnest du die Schaltbilder? Ganz allgemein, was verwendet ihr um Schaltungen zu zeichnen? Ich bin noch ganz alte Schule mit Bleistift und Papier will aber jetzt doch umsteigen und frage mich welche Software ich verwenden soll.
Für die Schaltungen: SPlan
Für die Aufbauplänen, sie hier: https://www.kranenborg.org/electronics- ... yout-files

MVH!
/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Moin Lutz,
FlynnTheAvatar hat geschrieben: 29.09.2024, 16:35 100µF Kondensator von der Platine runter zunehmen. Dann könnte man theoretisch den Lautsprecher gegen Versorgungsspannung oder Masse betreiben.
Lutz hat geschrieben: 29.09.2024, 17:10 Ähm, nein! Das hat Philips zwar auch mal vorgestellt, aber dann gegen die (korrekte) Anzapfung der halben Betriebsspannung!
Da glaube ich, dass Josef den Elko nicht ganz weglassen, sondern ihn wieder auf dem Board verorten wollte. Da Elkos ja eine Polung haben, wären wir mit der festen Lösung auf dem Modul daran gebunden, den Lautsprecher gegen die Versorgungsspannung zu betreiben. So jedenfals habe ich Josefs Vorschlag gedeutet.
Lutz hat geschrieben: 29.09.2024, 17:10 Was mir einfällt, den Emitterwiderstand 100 Ohm könnte man probehalber mit einem Elko parallel betreiben, dann bleibt der Ruhestrom klein(er), die NF aber "wacher".
Habe das mal kurz mit LT-Spice durchgedaddelt, und Du hast recht. Die Verstärkung ist genau gleich wie mit einer Drahtbrück aber der Stromverbrauch nochmals geringer (3,7mA zu 2,9mA).
Lutz hat geschrieben: 29.09.2024, 17:10 Weitere Idee an Pingi und Jurjen: Variation von R3 zwischen 1 und 10k etwa, was sich da in der Simulationen tut bzw in der Realität.
Lutz, da möchte ich mich bei dieser Gelegenheit auch gleich für Deine Arbeitsaufträge bedanken. Es wär sonst auch viel zu langweilig :lol:

Nun aber zur Antwort:
Je größer R3 wird, desto geringer wird der Basisstrom an den beiden Transistoren der Endstufe. Das macht sich dann besonders bei kleinen Signalen mit höheren Verzerrungen bemerkbar. Wenn dann noch die Betriebsspannung runter geht z. B. auf 7 Volt, dann wird es noch deutlicher und auch deutlich hörbarer. Mit R3 = 10k zieht die Endstufe übrigens nur noch 0,9mA, damit treiben wir alle Batteriehersteller in den Ruin :shock:

Vergleich2.JPG
Grün zeigt das Klirrspektrum bei einem kleinen Signal mit R3 = 1k5, rot mit R3 = 10k. Der Unterschied ist deutlich...

Es gibt also noch immer einige Stellschrauben an denen gedreht werden kann. Minimaler Stromverbrauch oder doch lieber minimale Verzerrungen, beides zusammen geht leider nicht. Aber mit dieser Schaltung ist ein sehr guter Kompromiss für jeden möglich.

Viele Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von Lutz »

Hallo Sven und Mitlesende!

Das mit dem Verändern des 1k5 war mir schon klar, daß das bei dem genannten max. Wert von 10k übertrieben ist, ein gutes Maß an Ruhestörung, äh Ruhestrom muss sein! Dann scheint der Wert von 1k5 ganz in Ordnung zu sein, immer noch viel besser als einen einzelnen 547B auf -zig mA zu halten, wenn er nix zu tun hat.

Das mit dem Elko habe ich tatsächlich falsch verstanden. Das er ihn auf dem Board haben möchte und dann wahlweise entsprechend gepolt auch gegen Masse einsetzen möchte, wäre eine Variation. Bedingt aber, daß der 1k5 auf '+' direkt muss. Das ist ja auch möglich.

Mit dem C über dem Emitterwiderstand im Treiber ist 'alte Schule', das war und ist guter Standard in allerlei Treibern und Endstufen, um dort den Ruhestrom gering und stabil zu halten, aber NF, ZF oder HF zu begünstigen. Der R dient ja auch als Arbeitspunkt-Stabilisierung.
Liefe der Transistor thermisch weg, sinkt sein Innenwiderstand, dafür steigt die Emitterspannung, und der Ruhestrom sinkt wieder. Vorausgesetzt, der Basisstrom ist richtig bemessen...

Hatte man bei Röhrenstufen schon.

Gruß, Lutz
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Lutz hat geschrieben: 03.10.2024, 22:11
...
Mit dem C über dem Emitterwiderstand im Treiber ist 'alte Schule', das war und ist guter Standard in allerlei Treibern und Endstufen, um dort den Ruhestrom gering und stabil zu halten, aber NF, ZF oder HF zu begünstigen. Der R dient ja auch als Arbeitspunkt-Stabilisierung.
Liefe der Transistor thermisch weg, sinkt sein Innenwiderstand, dafür steigt die Emitterspannung, und der Ruhestrom sinkt wieder. Vorausgesetzt, der Basisstrom ist richtig bemessen...
...

Gruß, Lutz
Der C (100uF) über den 100 Ohm Emitter-Widerstand lasst sich immer noch einfach einbauen in die Bauplatte ohne die Layout (i.e. die Platzierung der andere Komponente oder Unterbrechungen der Streifen) ändern zu mussen, ich werde am diesem Wochenende die geänderte Variant vermitteln ... . Danke für diese Verbesserungshinweis!

/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Also hier die (leichte) Anpassung:

StripboardV2-componentside.png
StripboardV2-copperside.png

/Jurjen
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Noch eine kleine Änderung durgeführt: ein Kondensator (220 nF) am Eingang, so das kein externes Exemplar benötigt ist (speziell relevant für EE2001, zb. die FM-Schaltungen wo der LM3900 Ausgang direct via ein 1K Widerstand an der Transistor gekoppelt ist ... dieses würde nicht mit diese Push-Pull Platine zusammengehen). Daher ist die Platine-layout auch ein bisschen geändert, alle up-to-date Design-infos gibt es hier: https://www.kranenborg.org/electronics- ... onsumption
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo Jurjen,

es freut mich, dass Du noch immer mit dem Verbessern Deiner Schaltungen und Bauteile beschäftigt bist.
Der Kondensator am Eingang ist auf jeden Fall eine gute Sache, besonders zum Schutz des Eingangstransistors. Allerdings empfinde ich ihn mit 220n zu klein, die "üblichen" 10µF sollten hier besser passen, damit auch die tieferen Frequenzen übertragen werden. Nur ist dann ein Elko von der Polung abhängig und die Ausführung als Polyester sehr groß. Deswegen habe ich mich bei meiner Version dafür entschieden, keinen Kondensator auf die Platine zu packen.
jurjen hat geschrieben: 21.08.2025, 16:15 EE2001, zb. die FM-Schaltungen wo der LM3900 Ausgang direct via ein 1K Widerstand an der Transistor gekoppelt ist
Verstehe ich Dich richtig, dass Du den Gegentaktverstärker anstelle des Transistors hinter R15 anschließen möchtest?

FM_462.JPG

Der Transistor dient ja nur noch als Emitterfolger zur Stromverstärkung, weil der LM3900 das nicht schafft. Wäre es nicht besser, den Gegentaktverstärker einfach hinter dem Poti über einen 10µF Elko anzuschließen?

Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von jurjen »

Hallo Sven,

Der neue Kondensator am Eingang sollte am liebsten groß sein (also ein Elko) – da bin ich ganz deiner Meinung. Daher plane ich jetzt, diese Komponente steckbar zu gestalten, damit sie bei Bedarf umgepolt werden kann. So spare ich immer noch Platz.

Deine Anmerkung zum Bedarf der LM3900-Endstufe ist ja so eine Sache! Tatsächlich kann diese entfallen, wenn die Push-Pull-Platine zum Einsatz kommt … und damit wird ein Opamp-Kreis für andere, interessantere Anwendungen frei (z. B. aus AN-72). Ich hatte sogar schon eine Idee: eine Referenzspannungsquelle (AN-72 – Abschnitt 5.0, sie das Bild hierneben, mit Zenerdiod 5.1V und dazu noch eine freie Wahl für R2 kann man fast jede beliebte Spannung einstellen ...) in meinen kompakten FM-Empfänger zu integrieren, um die Abstimmung mit der Varicap unabhängig von der Betriebsspannung (also dem Ladezustand der Batterie) zu machen. Ob alles dann noch auf eine einzelne Platine passt … :roll:, wir werden sehen!

Danke also für deine Hinweise! Die Push-Pull-Platine wird wohl meine Standardlösung für die letzte Audiostufe, daher macht es Sinn, diese bis ins letzte Detail zu optimieren.

AN-72 picture Vreg 5.0.png
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von wolfgang »

Hallo zusammen,

den Eingangselko kann man m. E. mit dem Minus in Richtung Transistor fest anschließen. Bei richtig eingestellter Endstufe stellt sich eine Spannung an der Basis von < 1 Volt ein. Baut man keine krassen Fehler in der Vorstufe ein, wird die Spannung so um die halbe Batteriespannung liegen und damit deutlich über 1 Volt.

Alternativ würde ich den Elko überbrückbar ausführen.

Gruß Wolfgang
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Moin Wolfgang,
wolfgang hat geschrieben: 01.09.2025, 15:38 den Eingangselko kann man m. E. mit dem Minus in Richtung Transistor fest anschließen.
Das passt in den meisten Fällen, jedenfalls wenn der Gegentaktverstärker direkt über den Elko an die Vorstufe angeschlossen wird. Dabei ist es auch egal, ob man eine NPN- oder PNP-Vorstufe benutzt. Wenn aber, wie z. B. beim Kurzwellenaudion 5.03 oder oben im Beispiel beim UKW-Radio 4.6.2, das Lautstärkepoti dazwischen sitzt, dann wäre dieser Elko falsch herum gepolt.

Insofern ist Dein Vorschlag, den Elko überbrückbar auszuführen, genau wie Jurjens Vorschlag, den Elko steckbar zu gestalten, eine praktische Lösung. Jedoch bevorzuge ich, den Elko gänzlich von der Platine zu lassen. Aber das ist Geschmackssache.

Grüße
Sven
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von wolfgang »

Hallo Sven,

mit dem Poti gebe ich dir Recht.

Was haltet ihr von der Alternative mit keramischen SMD-Kondensatoren? Die gibt es mit 10 Mikrofarad und 25 Volt.

Ich habe noch nicht geprüft ob die Kondensatoren geeignet sind.

Gruß Wolfgang
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von sbetamax »

Die SMD Kondensatoren hab ich schon anstelle von Tantalkondensatoren benutzt. Bisher hab ich damit keine Probleme.
Gruß Stephan
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Moin Wolfgang, moin Stephan,

ein SMD-Kondensator mit 25V Spannungsfestigkeit sollt in jedem Fall ausreichen. Ich kann mir nicht vorstellen, wodurch am Verstärkereingang eine höhere Spannung auftreten sollte. Interessant wäre ja dann noch die Baugröße, habt Ihr da ein paar Angaben?

Und wo habt Ihr denn noch 25V-Typen gefunden? Bin bei meiner Suche nur auf 50V-Typen gestoßen...

Grüße
Sven
wolfgang
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von wolfgang »

Hallo Sven,

ich hatte einfach mal beim blauen C gesucht.

10µF in 25V oder 16V in Bauform 1206 oder
10µF in 16V in Bauform 0805

Die Mindestabnahmemenge variiert ja nach Ausführung und Hersteller zwischen 10 und 20 Stück.

Gruß
Wolfgang
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pingi66
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Re: Einfacher Gegentaktverstärker

Beitrag von pingi66 »

Hallo Wolfgang,

erstmal vielen Dank für Deine Mühen.

Und es mir schon sehr peinlich, dass ich da nichts gefunden habe, es gibt doch so viel davon. :roll: Nicht nur beim blauen C, auch beim kleinen friesischen "r" gibt es reichlich Angebote für wenig Geld.

Ob 1206 oder 0805 ist Geschmackssache, für mich ist beides schon sehr fummelig. :lol:

Liebe Grüße
Sven
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