Medienträger

Moderator: suntri

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Medienträger

Beitrag von JeanLuc7 » 16.07.2017, 11:07

Salut Bastelfreunde,

nachdem in dene letzten Wochen DVB-T als Eingangssignal fürs Fernsehen verloren ging, sah ich mich gezwungen, meine Tuner-Platinen gegen Neubauten zu ersetzen. Dabei fiel mir auf, dass eine Art "Medienträger" für Audio- und Videosignale durchaus nützlich sein könnte. Ich habe daraufhin einmal untersucht, welche Medienlieferanten udn welche Schnittstellen heute noch zur Verfügung stehen. An anderer Stelle habe ich dazu bereits ein "HDMI-Lab" vorgestellt, das aber ein ganzes Schaltpult umbaut. Hier soll es einmal um Erweiterungsplatinen gehen, die auf ganz normalen Schaltpults von Philips oder Schuco eingesetzt werden können. Zwei davon möchte ich Euch heute vorstellen in den nächsten beiden Beiträgen vorstellen.

Einen schönen Sonntag wünscht

Frank/JL7

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Medienträger für Kompaktkassetten

Beitrag von JeanLuc7 » 16.07.2017, 11:23

Salut,

und los geht's. Wenn es um Audiosignale ging, war ich in den 80ern bei meinen Bastelversuchen sehr eingeschränkt. Mein erster Kassettenrecoder/UKW-Radio-Kombi besaß nichts, wöran man einen der Philips-Verstärker anschließen konnte. Später, als ich eine Stereoanlage besaß, hatte die bereits schicke und gute Boxen, da fiel es schwer, deren Signale über die Diodenbuchse erst zum blauen Schaltpult zu führen. Und außerdem widersprach das irgendwie der Idee, dass die meisten Philips-Aufbauten doch irgendwie transportabel waren.

Heute hat nun fast jeder Haushalt einen MP3-Player oder ein Smartphone mit Klinkenstecker (wobei der dort gerade wegrationalisiert wird...), und daher sidn Musikquellen ohne eigene Lautsprecher gut verfügbar. Wie wäre es aber mit einer Platine, die huckepack die Mechanik eines Walkman aufnimmt? Derartige Geräte sind heute samt USB-Digitalisierungsquelle für 20€ bei amazon oder ebay zu erwerben, aber es ist natürlich langweilig, einfach deren Klinkenausgang an einen Verstärker anzuschließen.

Also habe ich den 2017er-Walkman aufgeschraubt und entkernt. Übrig blieb die reine Mechanik mit vier Schaltern (Play, Forward, Rewind, Stop) und drei Kabeln. Eins davon liefert die Signale des Tonkopfes, eins steuert den Motor an, und das dritte führt zu einem Schalter, der offenbar zuvor den Strom einschaltete, wenn man eine der drei Tasten Play, FF, REV drückte.

Die Platine drumherum war schnell entworfen: Als Motoransteuerung dient ein NE555, der als Pulsweitenmodulator geschaltet ist. Mit einem Poti kann man seinen Regelbereich bis weit über oder unter die nötigen 4.75cm/s Bandgeschwindigkeit einstellen - ein bisschen Spaß muss ja auch sein. Über einen BC338 in Kollektorschaltung versorgt er den Motor. Ein simpler BC548 hätte es wahrscheinlich auch getan, weil wegen der PWM am Transistor praktisch keine Leistung verbraten wird.

Dazu kommt ein simpler Vorverstärker auf Basis des TDA7050 (hatte ich noch hier liegen), damit es nicht zu arg brummt und man das Kabel vom Tonkopf schön kurz lassen kann. Der Einschalter versorgt nun den Minuspol des Motors mit Strom; dessen Pluspol hängt zusammen mit einer Freilaufdiode am Ausgang des PWM-Kreises.

Und das war's auch schon. Auf dem Bild ist noch ein transparenter, aufgeschraubter Zylinder zu erkennen - er stützt lediglich die Kassette, weil das schützende Gehäuse diese Aufgabe nun nicht mehr übernimmt. Die restliche Schaltung ist ein Standard-TBA820M als Mono-Verstärker; er nimmt beide Kanäle auf, die bereits auf der Platine durch zwei Ausgangskondensatoren gleichspannungsseitig getrennt sind.

Es folgen noch ein paar Bilder, und dann geht es weiter mit einem Videoplayer.

Dies noch: die eingelegte Kassette ist die einzige, die ich noch besitze. Darauf sind zwei Hörspiele, die ich mit ein paar Schulkameraden aufgezeichnet habe, als wir etwa 17/18 waren. Spannend, die eigene Stimme im Abstand von 35 Jahren noch einmal zu hören :-)
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Medienträger für Videoplayer

Beitrag von JeanLuc7 » 16.07.2017, 11:31

Der zweite Träger ist weitaus simpler - er nimmt lediglich eine Fertigplatine auf, die ich aus ihrem Gehäuse befreit haben. Diese Fertzigplatine ist die heutige Variante eines universellen Medienplayers - sie nimmt Daten per USB oder SD-Karte entgegen, und diese Daten können Musik oder auch Videos in unterschiedlichen Formaten sein. Man kann sie per HDMI an jeden Fernseher anschließen, dabei werden Bild und To übertragen. Sie eignet sich damit natürlich auch fürs HDMI-Lab. Was sie für mich aber so interessant machte, das war der eigentlich veraltete Ausgang per FBAS-Video. Dazu hat sie eine vierpolige Klinkenbuche; ein passendes Kabel liegt bei.

Ich habe dazu eine simple Platine entworfen, die lediglich eine 5V-Spannungsversorgung bereitstellt - diesmal per Step-Down-Konverter, weil da doch ganz erhebliche Ströme fließen. Ein 7805 wäre wahrscheinlich auch mit ausreichender Kühlung noch zu schwach. Die Platine stellt ansonsten nur die Ausgänge zur Verfügung - eine Cinch-Buchse für Video, zwei Pins für Audio, das war's schon.

Und nun kann ich mit meiner selbstgebauten DG7/32-Bildröhreneinheit zwar nicht mehr fernsehen - aber aufgezeichnete Videos per USB-Stick abspielen, und das funktioniert ganz ausgezeichnet.

Einen schönen Sonntag wünscht

Frank/JL7
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Platinenvorlagen

Beitrag von JeanLuc7 » 16.07.2017, 11:35

Platinenvorlagen stelle ich bei Interesse gerne zur Verfügung, anbei seht Ihr, wie die Platinen bestückt sind.

Der Medienträger für Kassetten benutzt übrigens einen Mini-Step-Down-Konverter für die Betriebsspannung des TDA7050. Ursprünglich wollte ich beide Teile (PWM und Verstärker) darüber laufen lassen, dazu findet sich am unteren Rand noch ein Feld für unterschiedliche Drahtbrücken, mit denen man das einstellen kann. Es zeigte sich aber, dass der Motor mit 9V-PWM weit höher drehen kann und nicht nur ein bisschen über Normalgeschwindigkeit - wei gesagt: ein bisschen Spaß muss sein, und doppelt so schnell abgespielte Musik kann manchmal sehr seltsam klingen. Kurz: es genügt wohl auch ein einfacher 78L05 statt des Step-Down-Konverters.

Es grüßt herzlich
Frank/JL7
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Re: Medienträger

Beitrag von sbetamax » 16.07.2017, 19:32

Hallo,
sehr schön gemacht! Das Tapedeck ist mein Favorit!
Gruß Stephan

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Re: Medienträger

Beitrag von pingi66 » 21.07.2017, 00:25

Hallo zusammen,
sbetamax hat geschrieben:
16.07.2017, 19:32
sehr schön gemacht! Das Tapedeck ist mein Favorit!
Da kann ich Stephan nur zustimmen! Bei den Kassetten hat man wenigstens noch erahnen können, wie die Musik rauskommt. Bei dem Medienträger für den Videoplayer dominiert ein großer Tausendfüßler die Platine, zu sehen ist da nichts mehr...

Spaß bei Seite, die beiden Adapter sind großartig gelungen! Sie zeigen, so finde ich jedenfalls, vor allem, wie vielfältig oder vielleicht auch inzwischen unübersichtlich die vielen Medien gespeichert, wiedergegeben und miteinander verbunden werden können bzw. müssen.

Nachdenklich hat mich dabei aber folgende Feststellung von Dir gemacht:
JeanLuc7 hat geschrieben:
16.07.2017, 11:07
nachdem in den letzten Wochen DVB-T als Eingangssignal fürs Fernsehen verloren ging, sah ich mich gezwungen, meine Tuner-Platinen gegen Neubauten zu ersetzen.
Nach dem Analog-TV verschwindet jetzt also auch nach gar nicht so langer Zeit das DVB-T vom Bildschirm. Es folgt mit DVB-T2 ein neuer Standard, der alles besser können soll als sein Vorgänger. Damit kommen jetzt alle DVB-T-Empfänger auf den Elektroschrott und es scheint niemanden mehr zu interessieren. Das war auch mal anders! Welch ein Aufschrei hätte es damals gegeben, wenn die in Farbe ausgestrahlten Fernsehprogramme nicht mit einem Schwarz-Weiß-Gerät hätten empfangen werden können. Welch ein Aufwand wurde betrieben, damit auf UKW ein Stereosender auch mit einem Monoempfänger zu hören war. Egal, wahrscheinlich bin ich da zu nostalgisch angehaucht.

Beste Grüße
Sven

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Re: Medienträger

Beitrag von sbetamax » 21.07.2017, 22:11

Hallo Sven,
da bin ich voll bei dir. Der "alte" DVB-T Standart war hier gut 12 Jahre im Betrieb. In meinem Kundenkreis waren knapp 10 davon betroffen. Viele schaune hier auf dem Land nicht DVB-T.
Beim Kabelfernsehen Unitymedia haben sie im Juni analog abgeschaltet. Ich warte heute noch auf bestellte Fernseher. Hier war eindeutig mehr, was in den Müll kam. Heute hab ich wieder eine Fernseher bei der Sammelstelle abgegeben. Da sa ich in ein der Gitterbox eine ADR Receiver. Damit ist auch seit jahren nichts mehr zu empfangen. Vorher gab es noch kurz DSR....
Ich fand die Zeit des Kompatiblen irgendwie angenehmer. SW TV - Farbfernsehen - Videotext - Stereo - VPS - PALplus. Das ging alles noch durch den Philips EE 2008 TV. OK VPS und Videotext nervte etwas.
Gruß Stephan

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Re: Medienträger für Kompaktkassetten

Beitrag von mjwolf » 22.07.2017, 19:37

Hallo Frank,

super Sache! Beim dritten Bild kam mir sofort, dass das eigentlich ein eigener "Erweiterungskasten" par excellence ist: Man kann auch die Mechanik des Kassettenspielers auseinandergebaut "liefern" und nach einer Anleitung, in der sie genauer erklärt wird, aufbauen lassen... Vielleicht noch ein paar Infos/Miniversuche vorab (z.B. bzgl. der Signale, die der Tonkopf liefert), dann versteht jeder sofort, wie die Umwandlung von Magnetinfos in Tonsignale funktioniert...

Aufnehmen (integriertes Kondensatormikrophone o.ä.) kann das Walkmann-Teil nicht, oder?

VG
Martin
(der sich über die Platinenvorlage wirklich freuen würde, auch wenn er jetzt gerade keine Zeit hat, sie selbst umzusetzen)

wolfgang
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Re: Medienträger

Beitrag von wolfgang » 23.07.2017, 23:05

Hallo Frank,

wieder zwei tolle Projekte. Dass Du eine nostalgische Cassette als NF-Quelle verwendest hat mich mehr überrascht, als wenn Du einen selbst programmierten mp3-Player vorgestellt hättest.

Wie ist eigentlich die Drehzahlregelung ausgeführt:

- Echte Regelung der Drehzahl
- Regelung von Strom oder Spannung am Motor
- Einfach nur eine Steuerung der PWM

Gruß
Wolfgang

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Re: Medienträger

Beitrag von JeanLuc7 » 24.07.2017, 11:37

Hi Wolfgang,

es ist wirklich ganz billig gelöst - der NE555 arbeitet als PWM, die einzig und allein über ein Poti geregelt wird. Die Originalschaltung macht es auch nicht wesentlich anders, das dortige Minipoti wirkte sogar nur über einen Leistungstransistor und wurde nach dem Abgleich wohl mit Farbe fixiert. Dass damit mit einem batteriebetriebenen Gerät kein echter Gleichlauf zu holen ist, ist klar, aber andererseits wäre wohl auch der Preis (unter 20€) nicht zu machen.

Viele Grüße
JL7/Frank

P.S. Ich beginne aber gerade über eine Lastregelung nachzudenken - sowas hat ja heutzutage jeder Lokdecoder für die Modelleisenbahn.

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