Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Moderator: suntri

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Roadrunner

Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von Roadrunner »

Hallo zusammen,

am Sonntag bekam mein Sohn (12 J.) das KOSMOS Experimentierset Zitronenuhr geschenkt. Gemeinsam starteten wir mit dem Bau derselbigen und scheiterten. Kaum erkennbare Anzeige, Uhr war nicht zu stellen. Frust bei meinem Sohn !
Dem Kasten lag bereits eine Korrektur bei: In einem Beutel waren 3 Kupferstreifen beigefügt und der Hinweis, dass leider die im Kasten liegenden Kupferstreifen (bestehen aus Messing !) von "schlechter" Qualität sind und auszutauschen wären. Also denkt man ja, an den Blechstreifen als Elektroden der Zitronenbatterie kann es wirklich nicht liegen, dass der Versuch misslingt. Vielleicht ist die angeschlossene Digitaluhr ja auch defekt ?
Kurz: Papa holt das Digitalmultimeter und mißt eine Spannung von 0,9 Volt anstelle der in der Anleitung angegebenen 1,8 Volt (2 Zitronen in Reihe geschaltet). Beim kritischen Blick auf die "Zinkelektrode" fällt auf, dass diese für Zink etwas zu glänzend ist. Schnell aus dem Keller 2 Streifen verzinktes Lochblech geholt und die Uhr arbeitet sofort perfekt, Spannung = 1,8 Volt. Ein Magnet entlarvt die "Zinkelektrode" als Eisenmetall. Mein Sohn ist happy und hat mehr gelernt als der Versuch eigentlich hergibt (mal eben elektrochemische Spannungsreihe etc. erklärt). Vorallem, dass man nie blind einer Anleitung trauen darf und immer selbst mitdenken sollte.

Ich aber bin vom KOSMOS-Verlag enttäuscht. Wie frustrierend wird dieser Versuch wohl bei vielen anderen Kindern ohne "Fachsupport" ausgegangen sein ? Da wird schon eine Korrektur durchgeführt (im Handbuch natürlich noch weitere Fehler angemerkt) und dann klappt der wichtigste Versuch immer noch nicht. Allein schon Messing als schlechtes Kupfer (haha) zu bezeichnen. Was für Leute arbeiten denn da im Verlag ? Werden bei KOSMOS auch schon aus Kostengründen unterbezahlte Praktikanten für wichtige Aufgaben eingesetzt ?

Habt Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht ?

Gruß
Jürgen
wolfgang
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Re: Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von wolfgang »

Hallo Jürgen,

das ist leider der aktuelle Weg. Dank der Globalisierung werden sollche Artikel in China u. ä. zusammengestellt und mit dem Schiff nach Deutschland gefahren. Das ist billiger wie eine Produktion hier im Land. Leider leidet die Qualität. Da werden schon mal andere Werkstoffe verwendet. Wenn es dann hier auffällt, werden die Kästen mit einem Zettel und Zusatzteilen ergänzt. Die falschen Teile zu entfernen ist dann schon wieder zu teuer.

Und aus elektrochemischer Sicht ist Messing tatsächlich "schlechtes Kupfer", da es mit Zink "verunreinigt" ist.

Gruß
Wolfgang
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JED

Re: Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von JED »

Hi,

ich musste grinsen: ...zwei Zitronen in Reihe geschaltet... klingt irgendwie gut. Was wohl rauskommt, wenn man Äpfel mit Birnen in Reihe schaltet?

Aber im Ernst, ich habe das noch schlimmer: Auf dem Antikmarkt ein Elektrisiergerät erworben.

Man hat damals den nötigen Strom aus einem wohl selbstgefüllten Leclanché-Element entnommen, dazu ist da so ein kleiner Glasbottich drin. In einem großen Loch war mit Siegellack ein ziemlich dicker, oben messinggefasster Graphitstab eingeklebt und die Messingverbindung zur Platine wird von einer Schraubklemme mit dem Buchstaben "K" gehalten.

Eine andere Halterung trägt den Buchstaben "Z" und sollte wohl eigentlich einen flachen Zinkstab durch ein kleineres Loch in den Elektrolyten tauchen. Hier wurde wohl gefüllt, hier entwich der Wasserstoff und außerdem verbrauchte sich das Zink ja auch, die Fläche ist recht klein.

Auffällig war, dass der recht schmale Zinkstab wohl zur Oberflächenvergrößerung schräge Furchen aufwies. Zuhause merkte ich dann, dass er für Zink doch sehr stabil und der Hieb auch an den Schmalseiten vorhanden war: Es war ein Rest einer wohl abgebrochenen Schlüsselfeile. :shock:

Ein Depolarisator (Braunstein) ist um das Graphit auch nicht mehr zu entdecken. Aber wer würde auch heute noch mit Ammoniumchlorid rumpanschen wollen?

Viele Grüße
Joachim
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Wilhelm
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Re: Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von Wilhelm »

Ach, das waren noch Zeiten in denen ein Produkt wenigstens zu 90% ausgereift auf den Markt kam.

Ich selber erlebe das immer mal wieder im Geschäft - und hier geht es im pharmazeutische Produkte - wie die Chinesen nach Strich und Faden zu bescheißen versuchen, verunreinigte Produkte, etc., wird dann eine Delagation nach Dutschland geholt, grinsen sie einen an und versichern das alles "Gut" wird, gleichzeitig muss man aufpassen das sie nichtüberall rumschnüffeln und Fotos machen.

Wenn die schon mit ihrer eigenen Bevölkerung umspringen wie es ihnen gefällt, was erwarten wir dann?
mc71
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Re: Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von mc71 »

Tja, früher... wo doch alles besser war... da hat man sich bei derlei Problemen zunächst einmal an den Hersteller gewandt. Schriftlich. Brief nannte man das, glaube ich. Zumindest waren entsprechende Hinweise in den Anleitungen gegeben- zum Beispiel sollte man benennen, welche Versuche man zuvor aufgebaut hat, damit der Kundenservice nachvollziehen konnte welche Bauteile eventuell vergessen wurden, die im neuen Aufbau stören könnten. Heute motzt man lieber direkt in irgendwelchen Internet-Foren herum, subtil gespickt mit fremdenfeindlichen Verschwörungstheorien.

Daß so ein Errata-Zettel bisweilen eine, sagen wir mal, wohlwollende Darstellung gibt- wen wundert es. Zum einen will man seine Lieferanten nicht bloßstellen, zum anderen will man den eigenen Verlag nicht zur Schlunzbude degradieren (die Kosmos IMHO durchaus nicht ist!) und sich so die Kundschaft für zukünftige Käufe vergraulen.

Was die bösen, bösen chinesischen Lieferanten angeht: Natürlich bekommt man auch in China hochwertige Produkte. Dummerweise kosten die dann aber auch fast genauso viel wie hierzulande... zuzüglich Transport lohnt sich die Sache dann nicht mehr. wenn aber erstmal der Kostendruck da ist udn die ständige Kontrolle fehlt, dann bekommt man auch hierzulande Schrott beliebig niedrigen Niveaus.

Wirklich witzig finde ich allerdings, daß aus dem (zunächst mal) Fehler des Produktes ein deutliches Mehr an Lernerfolg geworden ist. Hat nicht Richter im Telekosmos-Praktikum so etwas geschrieben, daß man erst in der Fehlersuche wahres Verständnis erwirbt? Kosmos sollte also die Eisenblech-Streifen beibehalten und den Kastenpreis verdoppeln.
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JED

Re: Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von JED »

Hat nicht Richter im Telekosmos-Praktikum so etwas geschrieben, daß man erst in der Fehlersuche wahres Verständnis erwirbt? Kosmos sollte also die Eisenblech-Streifen beibehalten und den Kastenpreis verdoppeln.
*lol*

Und das zu Zeiten im "Notfall" wilden Herumgeklickes ohne jede Überlegung und trotzdem (zufälliger) oftmaliger Belohnung? (Weil Klicken einfach so schnell geht, dass auch mal positive Zufälle greifen.)

Naja, ich weiß nicht recht...

Gruß
Joachim
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Uranylacetat
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Re: Schlamperei beim KOSMOS Experimentierset "Zitronenuhr"

Beitrag von Uranylacetat »

Bei Zitronenbatterien (Apfel, Essiggurke, ... saure Frucht) ist es wichtig, daß beide Elektroden im selben Fruchtsegment stecken und die Frucht im Inneren genügend freien Saft hat (kräftig rollen). Allerdings kann man durch Polarisationsprobleme (Wasserstoffbildung) auch Stromausfälle bekommen. Das ist beim Vorführen dann lästig! Ein weiteres Problem ist, daß diese Batterien ziemlich rasch unter Last in der Spannung durchsinken.
"Der einfachste Versuch, den man selbst gemacht hat, ist besser als der schönste, den man nur sieht." (Michael Faraday 1791-1867)

Alles ist Chemie, sofern man es nur "probiret". (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)
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