Polytronic LW-Audion

Moderator: suntri

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Helferlein
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Polytronic LW-Audion

Beitrag von Helferlein »

Hallo zusammen,

im Verlauf der Diskussion um das BUSCH-Langwellenradio > viewtopic.php?f=4&t=2560 < fiel mir mein Baukastensystem POLYTRONIC Elektrotechnik / Funktechnik / Elektronik A B C aus der ehemaligen DDR ein, das ich vor Jahren für kleines Geld ersteigert hatte. So richtig „befingert“ hatte ich den Baukasten jedoch nie.

ABC.jpg
Polytronic A-B-C
ABC.jpg (64.41 KiB) 256 mal betrachtet
Polytronic A-B-C
Polytronic A-B-C
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Ich erinnerte mich daran, dass im Baukasten ein dreiteiliger Spulensatz enthalten war, der neben einer MW-Spule und einer Ankopplungsspule auch eine LW-Spule umfasste. In der „Experimentieranleitung Teil 2“ wurde ich fündig (s. f. Abb.). Auf Seite 122, Versuch B13 wird der Aufbau eines „Audionempfängers mit NF-Verstärker beschrieben.

PT-LW.jpg
Schaltung
PT-LW.jpg (165.48 KiB) 256 mal betrachtet
Schaltung
Schaltung
PT-LW.jpg (165.48 KiB) 256 mal betrachtet

Der Spulensatz, im Foto rechts neben dem Drehkondensator, ist im Gegensatz zu den meisten andern mit bekannten Elektronikbaukästen aus der Zeit vertikal angeordnet und besitzt zur Feinabstimmung einen verstellbaren Ferritkern (s. f. Foto).

DSCI4846.JPG
Unten LW-Spule, darüber Ankopplungsspule
DSCI4846.JPG (326.96 KiB) 256 mal betrachtet
Unten LW-Spule, darüber Ankopplungsspule
Unten LW-Spule, darüber Ankopplungsspule
DSCI4846.JPG (326.96 KiB) 256 mal betrachtet

Die wenigen Bauteile waren schnell aufgebaut und der Test konnte beginnen. Anfangs hat nichts funktioniert. Zunächst hatte ich die Federklemmen in Verdacht. Diese sitzen recht locker auf den Hohlnieten und waren allesamt leicht oxydiert. Nach einer Weile versuchte ich es mit einer induktiven Antennenkopplung (rot-weißer Draht im Bild oben, bzw. unten) - auch nichts. Als ich die Spannung (die Betriebsspannung sollte 6 V betragen) am Netzgerät langsam auf Null stellte, um die Schaltung zu modifizieren, konnte ich RTL bei ungefähr 3 V Betriebsspannung auf einmal empfangen. Nachdem ich wieder auf induktive Antennenkopplung umgestellt hatte, verbesserten sich die Trennschärfe und ich hatte auch BBC und das ungerichtete Funkfeuer Düsseldorf (LI) > viewtopic.php?f=4&t=2560 < im Audion-Empfänger. Ich vermute jetzt, dass der Arbeitspunkt der Transistoren falsch eingestellt ist. Leider sollen in den Polytronic-Baukästen häufig Komponenten verwendet worden sein, die nicht dem Standard entsprachen (Ausschuss (?), das las ich einmal im www). Vielleicht habe ich so einen (schlechten) Transistor „eingefangen“. Ich muss einmal mit den Widerständen experimentieren, um den richtigen Arbeitspunkt bei 6V einzustellen.

DSCI4845.JPG
Aufbau des Versuchs auf der 10x10mm Lochrasterplatte.
DSCI4845.JPG (432.3 KiB) 256 mal betrachtet
Aufbau des Versuchs auf der 10x10mm Lochrasterplatte.
Aufbau des Versuchs auf der 10x10mm Lochrasterplatte.
DSCI4845.JPG (432.3 KiB) 256 mal betrachtet

Für den Aufbau gibt es keine grafische Vorlage nur den Schaltplan. Man muss also selbst eine günstige Konfiguration finden. Ich habe einige Änderungen vorgenommen. Da keine (kaum) originale(n) 3V Batterien (2R10) zu erhalten sind, habe ich ein Labornetzteil, später ein Batteriekasten mit 2 AAA-Batterien genutzt. Statt des einteiligen Kopfhörers habe ich meine für das Philips-Baukastensystem entwickelte 3D-Druck-Aktivbox mit LM386-Verstärker angeschlossen > viewtopic.php?f=90&t=2321 <. Die Schaltung in der Box dient gleichzeitig als Impedanzwandler. Auf diese Weise konnte ein 8 Ohm Lautsprecher angeschlossen werden.

Hier ein Hörbeispiel:

R09_0018.zip
Hörbeispiel Empfang Polytronic LW-Audion
(5.54 MiB) 13-mal heruntergeladen
R09_0018.zip
Hörbeispiel Empfang Polytronic LW-Audion
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Mein Resümee: Insgesamt ein interessanter Versuch, der letztendlich auch gelang. Warum letztlich nur bei halber Betriebsspannung ein Empfang erfolgte, bleibt mir ein Geheimnis. Auch die Änderung der Arbeitspunkte der beiden Transistoren brachte letztendlich nichts. Ich werde es noch einmal mit anderen Transistoren, vielleicht BC 547 ö. ä. versuchen. Die Beschreibung des Versuchs im Handbuch ist eher spärlich (s. f. Abb.).

Al-LW-Audi.jpg
Anleitung S. 123
Al-LW-Audi.jpg (189.34 KiB) 256 mal betrachtet
Anleitung S. 123
Anleitung S. 123
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Weiterhin fiel bei meinem Polytronic ABC Baukasten auf, dass einige Zapfen an Bauteileträgern abgebrochen sind. Der verwendete Kunststoff erscheint sehr spröde. Verkantet man ein Bauteil beim Einstecken oder Herausziehen kann es schon einmal brechen. Die Klemmverbindungen leiern leicht aus, können aber nachgebogen werden. Der für DDR-Verhältnisse relativ teure Baukasten, ich hörte einmal, dass er um die 90 Mark der DDR gekostet haben soll, war sicherlich ein „hight light“, wenn man einen besaß. In der Bundesrepublik war er meiner Kenntnis nach wohl nicht erhältlich.


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das Helferlein
Manfred
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Helferlein
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Re: Polytronic LW-Audion

Beitrag von Helferlein »

Hallo zusammen,

hier ein kleiner Nachtrag zum Thema Batterien für den Polytronic ABC. Meinem Baukasten lagen zwei verbrauchte Batterien 2R10 (3V) bei, die nach Jahrzehnten zum Glück noch nicht ausgelaufen waren. Die Älteren unter uns erinnern sich bestimmt - ein Zinkbecher mit einer Pappummantelung. So war das damals! Gab es auch von VARTA.

DSCI4847.JPG
Eine "moderne" AA Zelle eingerahmt von 2R10 Zellen.
DSCI4847.JPG (388.23 KiB) 250 mal betrachtet
Eine &quot;moderne&quot; AA Zelle eingerahmt von 2R10 Zellen.
Eine "moderne" AA Zelle eingerahmt von 2R10 Zellen.
DSCI4847.JPG (388.23 KiB) 250 mal betrachtet

Das war noch Qualität! :lol:

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Henning
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Re: Polytronic LW-Audion

Beitrag von Henning »

Diese 3V-Duplex-Batterien kannte ich nur zu St. Martin vom Laternenumzug, wenn die Laternen elektrisch beleuchtet wurden. Das waren dann zwei einzelne Zink-Kohle-Zellen, die durch die Umhüllung zusammengehalten wurden (so wie hier im vierten Bild).
Weiß jemand, wo die einzelne R10-Zelle eingesetzt wurde?
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Re: Polytronic LW-Audion

Beitrag von Helferlein »

Hallo Henning,

eine einzelne R10 wurde wohl in einigen Messgeräten eingesetzt.

Schaue hier: https://www.radiomuseum.org/forum/wie_h ... eraet.html

Ganz am Rande: Ich habe mit etwa 8 Jahren (das ist fast 60 Jahre her) eine (Blech-)Taschenlampe von meiner Oma bekommen. Die wurde mit einer Duplex-Zelle betrieben. Mit der Taschenlampe konnte man prima unter der Bettdecke lesen. Leider war oft am nächsten Morgen die Batterie leer, da man ohne auszuschalten eingeschlafen war ;-).

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Frankje
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Re: Polytronic LW-Audion

Beitrag von Frankje »

Hallo alle !

Das sieht nach einem schönen experimentellen Set aus!
Ich kann mir vorstellen, dass es in der ehemaligen DDR ziemlich teuer sein musste.
Der LW-Empfänger scheint übrigens gut zu funktionieren.

Möglicherweise können neue Modulträger für dieses System entwickelt werden.
Diese können dann das zerbrechliche Original ersetzen.
Gut ist auch, dass Si-Transistoren verwendet werden. Welche Typen sind das?

Nach einigen Recherchen im Internet habe ich auch festgestellt, dass es Polytronic-Sets für die Schulbildung gibt, die auch digitale Module und Schaltkreise enthalten.

Viele Grüße
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― Milan Nikolic
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Helferlein
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Re: Polytronic LW-Audion

Beitrag von Helferlein »

Hallo Frankje und natürlich auch alle anderen interessierten Foristen,

ich habe einmal auf das Gehäuse der Transistoren geschaut. In der Schaltung sind C06 (C06 Typ SC206, NF- Transistor) verbaut.

DSCI4849.JPG
C06 / SC206 als NF-Verstärker
DSCI4849.JPG (276.22 KiB) 203 mal betrachtet
C06 / SC206 als NF-Verstärker
C06 / SC206 als NF-Verstärker
DSCI4849.JPG (276.22 KiB) 203 mal betrachtet

Nach weiterer Recherche habe ich folgendes im www gefunden:

SC206 - NPN - 20V - 100mA - 200mW - fx=300kHz - Einsatz = allgemein (IBmax = 5mA).

Schaue hier, wenn es Dich interessiert: https://www-user.tu-chemnitz.de/~heha/b ... albleiter/

Unter dem Link gibt es viele weitere Informationen zu Halbleitern aus der DDR.

Es grüßt vom Rhein
das Helferlein
Manfred

PS: Schaut auch hier: > viewtopic.php?f=94&t=2579 <
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