Soda, Natron und Gips

Moderator: suntri

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Chemiker

Soda, Natron und Gips

Beitrag von Chemiker » 31.10.2007, 18:44

Hallo,

beim Fröhlich Allchemist von 1969 ist Natron enthalten aber keine Soda. Die wurde wohl früher zum Putzen verwendet und ist heute noch als Waschsoda im Supermarkt erhältlich. Spätere Kästen enthielten dann nur noch Soda aber kein Natron mehr, welches auch immer noch billig im Supermarkt zu finden ist. Es wundert mich daher, daß im alten Allchemist Natron drin war. Der C4000 hatte beides und sogar noch Gips. Vorher (und heute wieder) ging man davon aus, daß Gips im Haus ist. Der Kasten "Küche" hat nicht mal mehr Soda und man soll Waschsoda kaufen. So ändert sich das.

Grüße

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helmut

Soda vs. Natron

Beitrag von helmut » 03.11.2008, 13:38

Die unterschiedlichen "Bestückungen" erklären sich aus der Lieferbarkeit bzw. dem häuslichen Gebrauch.

Bis Anfang der 60er Jahre war Soda praktisch in jedem Haushalt vorhanden (Kristall-Soda). Sie wurde hauptsächlich zum Waschen bzw. zum Entfernen fettiger Ablagerungen im Hausputz verwendet.
Waschmaschinen (Voll- oder Halbautomate) wurden gerade in den Haushalten eingeführt und erforderten jetzt neue schaum- und härteregulierte Waschmittel. Einige neue Waschmittelnamen kamen auf den Markt, andere (alte Namen) veränderten Ihre Zusammensetzung.
Etwa um 1965 waren jetzt fast alle Waschmittel (mit wenigen Ausnahmen) auf moderne, Vollwaschautomaten taugliche Kompositionen verändert worden. Soda war dadurch immer seltener im Haushalt vorhanden, konnte jedoch noch bis Anfang der Siebziger Jahre in jeder Drogerie für wenig Geld gekauft werden.
(Preis um 1970: etwa 40-50 Pfennig für 500g Kristallsoda in einer Papiertüte).

Natron wurde zwar auch im Haushalt genutzt, jedoch längst nicht so häufig und vor allem nicht in jedem Haushalt.
(Damaliger Preis etwa 20-30 Pfennig für 50g "Kaiser's Natron").
Konsequenter Weise wurde deshalb Natron den Baukästen beigegeben und nicht Soda.

Später jedoch (etwa nach 1975) konnte Soda nicht mehr so leicht beschafft werden (keine Nachfrage mehr!) und so wurde den Kästen Soda und nicht mehr Natron beigegeben. Hinzu kommt das Soda die früher in manchen Kästen verwendete Natronlauge ersetzen musste. (Gefahrenreduzierung aus der Sicht der Spielzeug-Hersteller!) Deswegen wurde zuerst reichlich, später spärlich, kalzinierte also wasserfreie Soda den Kästen mitgegeben. Auch die in früheren All-Chemist Kästen verwendete (stark verdünnte) Salzsäure wurde jetzt durch Kaliumhydrogensulfat ersetzt.

Beide Massnahmen führten jedoch zu einer merklichen Verteuerung der Herstellungskosten. (Natronlauge und Salzsäure sind billiger, besonders wenn Sie gar nicht im Kasten waren, sondern erst noch gekauft werden mussten! - Kalzinierte Soda erfordert dagegen mehr Sorgfalt bei der Lagerung und Abfüllung als z.B. Natron.

Aber man kann die Kästen ja noch "sicherer" machen wenn man bei den meisten Versuchen das relativ stark alkalische Natriumkarbonat durch die schwächer alkalisch reagierende Natriumhydrogencarbonatlösung ersetzt.

Bingo, man lässt die Soda weg, nimmt jetzt Natron und weil viele Versuche jetzt gar nicht mehr so gut funktionieren, lässt man den Experimentator jetzt selber Soda machen!

Man kann auch noch weiter gehen:
Lass das Natron-Pulver weg, lass das Kaliumhydrogensulfat weg (viel zu teuer!), lass den Experimentator jetzt das Natron selber kaufen und ersetze das Hydrogensulfat gleich durch eine "richtige" Säure wie Zitronensaft oder Essig. Ein Chemiebaukasten ohne Chemikalien wie den den USA bereits zu haben.
Auf diesem Niveau sind wir jetzt angelangt.

Viel Spaß beim Experimentieren,
Euer Kosmos Produktmanager

- Helmut-
(Ich arbeite nicht für Kosmos und bin auch nicht deren Produktmanager noch der einer anderen Firma)

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Wilhelm
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Beitrag von Wilhelm » 03.11.2008, 18:45

Und laut Kosmos werden alle Chemiekästen aus Sicherheitsgründen in Deutschland verpackt.
Man stell sich vor was für Kästen (Material) aus dem Reich der Mitte zu uns kämen.


Kaiser Natron haben wir immer im Haus ist das Universal Hausmittel

http://www.purenature.de/content/pdf/10 ... cc52c6de5c

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Ich habe aber noch eine Frage ohne das ich dafür jetzt ein neues Thema aufmachen will.

Wir haben letzten Sonntag die Leitfähigkeit von Wasser testen wollen, mit einem Glas Salzwasser, Batterie, Kabel und Glühbirne, hat auch sehr gut geklappt.
Beim abbauen sind dann die beiden Kabel, vom plus und minus Pol im Salzwasser gehangen, das Kabel des minus Pols hat sehr stark angefangen Blasen zu erzeugen, das Wasser im Glas wurde auch deutlich trüber, an der Glaswand und am Kabel bildete sich ein graue "Schmiere".
Sehr interessant, leider weis ich nicht was sich da abgespielt hat.

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helmut

Typische Elektrolyse

Beitrag von helmut » 03.11.2008, 21:13

Was genau passiert ist kann man so nicht sagen weil ich nicht weiss aus was für einem Material deine Kabel gefertigt sind und ob auch andere Metalteile beteiligt waren.

Also erst einmal hat eine Elektrolyse stattgefunden. Das heist am Minuspol (Kathode) wurde Wasserstoff freigesetzt. Am Pluspol (Anode) entstand Chlorgas. Dieses löst sich jedoch zum Teil im Wasser und reagiert auch mit dem Metall (der Elektrode). Sind die Litzen zum Beispiel verzinnt entsteht auch Zinn II Chlorid (neben Kupferchlorid). Benutzt man hier einen Eisendraht geschied alles mögliche. (Ausfall von Eisenhydroxid neben Eisen II Chlorid, Oxidation von Eisen II Hydroxid zu Eisen III- Hydroxid (Luftsauerstoff) etc.

Zusätzlich bildet sich Natronlauge in der Lösung die wiederum mit dem gelösten Chlorgas zu Natriumhypochlorid reagiert das wiederum die Metallverbindungen oxidiert.

Erwärmt sich die Lösung stark und lässt man die Elektrolyse längere Zeit laufen so wird das Hypochlorid teilweise in Chlorit (ClO2-) und vor allem Chlorat (ClO3-) umgewandelt was wiederum entstandene Metallsalze weiter verändert.

Bei Kupferdraht entsteht nach längerer Zeit meist eine dunkelgrüne Brühe die zudem hell- bis dunkelbraune Ausflockungen zeigt und im wesentlichen (neben NaCl und NaClO) aus Kupferhydroxid, Kupferoxid und Kupfer II -Chlorid besteht.

Nicht schlecht für den Anfang!

Helmut

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Wilhelm
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Beitrag von Wilhelm » 03.11.2008, 22:31

Besten Dank Helmut,

Ich musste deine hervorragende Information mehrere male durchlesen um das halbwegs zu begreifen.

Das ist es auch was mich an Chemie so faziniert, auch ohne Abi :lol:


Gruß

Wilhelm

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helmut

Re: Soda, Natron und Gips

Beitrag von helmut » 13.07.2009, 17:47

Letzten Monat habe ich mal wieder einige Drogeriemärkte abgeklappert. Dabei bin ich bei DM und Budni fündig geworden. Unter den Waschmitteln habe ich kalzinierte Soda entdeckt. Bei DM kostete das Kilo etwa 1 Euro während bei Budni (Hamburg) 500g "Bio-Soda" für den gleichen Preis zu haben waren.

In vielen Supermärkten wie Realkauf, Penny, Netto, Edeka etc. hatte ich schon seit längerer Zeit kein Glück gehabt. Vielleicht hilft dieser Hinweis einigen, die ebenfalls schon seit längerer Zeit nach Soda gesucht haben.

L6023e24
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Re: Soda, Natron und Gips

Beitrag von L6023e24 » 08.08.2012, 18:53

Ist schon ein Weilchen her, dieser Thread, aber hier noch mein Senf dazu:
Da es ja Natron nach wie vor billig im normalen Lebensmittelhandel gibt (Gesehen: 250 g für ca 2 Euro), hab ich eine ordentliche Portion aus Sicherheitsgründen griffbereit (schneller Neutralisator für böse gewordene Säuren, im Notfall). Und Soda kann man daraus doch einfach durch Erhitzen darstellen (so lange, bis kein CO2 mehr entweicht).

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