Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Kondens.

alles was sich auf einzelne Teile bezieht

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masch11
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Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Kondens.

Beitrag von masch11 » 23.02.2014, 07:55

Moin zusammen:

In vielen Kosmos Kästen werden Germanium Dioden und Styroflex Kondensatoren verwendet.

Sind die absolut nötig, oder kann man die auch durch modernere Bauteile ersetzen?

Gruß

masch11

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Re: Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Konden

Beitrag von DK4BFOberg » 23.02.2014, 22:23

Germaniumdioden kann man durch kleine Schottky-Dioden ersetzen. Wichtig ist hier die Schwellspannung, die bei beiden deutlich geringer ist, als z.B. bei Silizium-Dioden. Letztere eigenen sich deshalb nicht in Detektorempfängern.
Styroflexkondensatoren haben sehr gute HF-Eigenschaften. Die kannst Du durch Keramikkondensatoren ersetzen.

Das ist doch gerade das gute an vielen Experimentierkästen, das man das ganz einfach ausprobieren kann.
Die Schaltung aufbauen mit den vorgeschlagenen Bauteilen und dann einzelne durch andere ersetzen.
Geht natürlich nur bei den Kästen ganz einfach, bei denen die Bauteile nicht gekapselt sind.

Peter

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Re: Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Konden

Beitrag von JuergenK » 23.02.2014, 22:42

Hallo masch11,

Germaniumdiode hat eigentlich nichts mit „überholt“ zu tun.

Nun sind zwar Siliziumdioden neueren Datums, und sie sind weniger sensibel (auch hinsichtlich Temperaturbelastung) – dennoch kann man sie nicht einfach als Ersatz für Germaniumdioden nutzen.

Vereinfacht gesagt:

Germaniumdioden haben eine sog. Durchlaß-Spannung von rund 0,2 Volt. Sprich: erst wenn diese Spannung überschritten ist, „leitet“ die Diode. Bei Siliziumtypen liegt die Durchlaß-Spannung dagegen bei rund 0,7 Volt. Wenn nun beispielsweise ein Detektorradio gebaut wird, muß zum Empfang eines Senders die „Energie“ der Antenne so groß sein, dass die Durchlaßspannung überschritten wird. Daher verwendet man dort die gewissermaßen „empfindlicheren“ Germanium-Typen.

Als Alternative kann man auch die heutigen Schottky-Dioden verwenden. Sie sind zwar „moderner“, ihre Durchlaßspannung ist aber auch nicht geringer als diejenige von Germaniumdioden. Folge: die alten Germaniumdioden haben auch jetzt noch noch ihre Berechtigung.

Was die Styroflex-Kondensatoren angeht: auch sie sind weiterhin „state of the art“.

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alte Radioexperimentierkästen ansehen? Aber gerne. Nämlich hier bei mir: http://www.experimentierkasten-board.de :-) :-)

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Re: Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Konden

Beitrag von Lutz » 25.02.2014, 00:17

Moin!

Zu den Dioden ist ja alles gesagt soweit.

Die Styroflex- oder andere Wickelkondensatoren hat man wahrscheinlich deswegen auch genommen, da sie besser ins Konzept passen, weil axiale Drähte dran sind. Das passt dann besser zum Konzept als die damals in der Technik ebenfalls verbreiteten keramischen Rohrkondensatoren mit radialen Anschlüssen (die Philipsianer kennen die...) oder gar keramischen Scheibenkondensatoren. Die Wickelkondensatoren konnte man dann halt einfach vorkonfektionieren, in dem man die Drähte passend zum Raster abwinkelte und kürzte. Bei den keramischen Scheiben- und Rohrkondensatoren hätte man die Drähte mehrfach abwinkeln müssen, damit sie mechanisch passen.

Wahrscheinlich würde in den Schaltungen jeder Typ funktionieren, aber die sprichwörtliche Toleranzarmut der echten Styroflex war sicherlich nicht das erste Argument.

Gruss Lutz
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Re: Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Konden

Beitrag von mc71 » 03.03.2014, 21:16

Lutz hat geschrieben:Die Wickelkondensatoren konnte man dann halt einfach vorkonfektionieren, in dem man die Drähte passend zum Raster abwinkelte und kürzte.
Nix da. Das Zeug wurde original wie es von der Rolle kam auf den Pappträger aufgelegt/eingeklebt. Biegen durfte man das noch selber. Vorkonfektionierte Bauelemente kamen erst mit dem X (?) - und XN-Kästen in Mode. Möglicherweise hatten die Scheibenkondensatoren aber schlicht zu kurze Anschlußdrähte, zumal man die tunlichst nicht direkt am Gehäuse abbiegen sollte. (Und irgendwie erinnere ich mich auch an radiale Kndensatoren in Form dunkelgrüner Zuckerpastillen... IIRC waren das die größeren Werte)

Klaus
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Re: Frage an die Profis - Germanium Diode - Styroflex Kondens.

Beitrag von Klaus » 26.04.2015, 21:11

Bei einem Vergleich von Germaniumdioden mit Schottkydioden ist mir aufgefallen, daß die Germaniumdiode kleine Hochfrequenzsignale besser detektiert als die Schottkydiode. Das gilt allerdings nur wenn beide Typen ohne Vorspannung betrieben werden. Bei einer Vorspannung von ca. 100 mV in Durchlassrichtung zeigten beide Diodentypen nahezu gleiche Werte. Das bedeutet, daß bei allen Schaltungen,bei denen die Diode vorgespannt wird mit beiden Diodentypen ähnliche Ergebnisse erzielt werden. Bei reinen Detektorempfängern, steht keine Batteriespannung und somit auch keine Vorspannung zur Verfügung. Hier schneidet bei schwachen Eingangssignalen die Germaniumdiode besser ab.
Das Konzept der Kosmos X Kästen wurde in den 60er Jahren entwickelt. In dieser Zeit wurden Styroflexkondensatoren in großer Anzahl in Radios und Fernsehgeräte verbaut. Diese Typen hatten eine gute Temperaturstabilität und wurden somit auch als frequenzbestimmende Bauteile in Oszillatoren eingebaut. Da die Eigeninduktivität auf Grund der Wickeltechnik verhältnismäßig hoch ist, sind die nur bis zum oberen zweistelligen Megahertzbereich geeignet. Aus dem selben Grund sind die auch selten als Abblockkondensatoren eingesetzt worden. Keramikkondensatoren haben deutlich weniger Eigeninduktivität, haben aber je nach Material eine hohe Temperaturdrift. Bei Schaltungen , wo die als Abblockkondensatoren eingesetzt werden , spielt das keine Rolle. Es gibt auch spezielle Keramikkondensatoren die auf nahe zu keine Temperaturdrift hin entwickelt worden sind.


Gruß Klaus :D
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